Druckschrift 
Fritz Wildau's Abenteuer zu Wasser und zu Lande / von Friedrich Gerstäcker
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Weſens wegen faſt ſo lib gewonnen, als ob es

führte Sitte war, daß ſich die Nachbarn manchmal ein⸗ ander beſuchten, über ihre Ernten und Bebauungsart ſprachen, und manche nützliche Kenntniſſe, die ſie aus dem großen und tüchtigen Buche der Erfahrung gelernt, ge⸗ geneinander eintauſchten. Und den alten Rothhayn haßte er beſonders.

Wolfram hatte Familie, Frau und Kind und eine alte Großmutter bei ſich, und das Kind war ein kleines Mäd⸗ chen, ein ſo liebes herziges Ding, wie nur je eins blauen Himmel über, und blumige Erde unter ſich gehabt, und die Mutter liebte das kleine Weſen auch mehr wie ſich ſelber, und hegte und pflegte es wie ihren Augapfel. Aber der Vater machte ſich nicht viel aus ihr, war oft rauh und unfreundlich gegen ſie, und meinte nicht ſelten, ſo ein Mädchen ſei zu gar nichts zu gebrauchen, weder in Wald noch Feld, weder mit der Axt noch mit dem Pflug. Darin hatte er aber groß Unrecht, denn Helenchen, obgleich erſt neun Jahre alt, half ſchon gar fleißig mit im Haus, wo ſie nur konnte, und wo ihre ſchwachen Kräfte aus⸗ reichten; ſie kartete Baumwolle und ſpann, und freute

ſich nie ſo ſehr, als wenn ſie ihren Eltern in irgend etwas

zur Hand gehen konnte.

Fritz zählte fünfzehn, Helenchen etwa neun Jahre, und die beiden Kinder waren nicht allein ſeit ihrer frühe⸗ ſten Jugend Spielkameraden geweſen, ſondern Wolfra 8 Frau hatte auch den Knaben ſeines ſtillen, ordentliche

eigenes Kind wäre. Nichts kränkte ſie dabei mehr daß ſie mit l hen mußte, wie ſchlecht es