64
„Miß Adele“— ſtotterte James, und erfaßte mit beiden Hän⸗ oen feſt und krampfhaft den untern Theil ſeines Stuhls, als ob er ſich einen Zahn wollte ausziehen laſſen—„Mutter wird— Sie können gar nicht glauben wie— ich wollte ſagen— verſuchen Sie's nur, kommen Sie nur einmal heraus— und wenn's auch nicht draußen ſo ſchöne Blumen giebt wie“— um ſein Leben gerr hätte er„wie Sie“ geſagt, aber es ging nicht— es ging wahr⸗ haftig nicht. Die Worte ſtaken ihm Harpunen gleich in der Kehle, und er brachte ſie nicht heraus—
„Wie hier, Mr. Lively?“ lachte Adele, die das wie auf He⸗ lena bezog, oder ihm doch wenigſtens ſchnell damit in die Rede fiel—„wie hier? ach, Du lieber Gott, hier ſieht's mit Blumen trüb und traurig aus, denn der Wald in der ganzen Nachbarſchaft herum iſt zerſtampft und zertreten, und ſelbſt den Bäumen ſcheint der ewige Qualm und Rauch und das wilde rohe Toben der Men⸗ ſchen nicht zu behagen.— Sie ſehen in der Nähe der Stadt häß⸗ lich und verkrankt aus, während ſie weiter davon entfernt viel friſchere lebendigere Farben, viel würzigern Duft zu haben ſcheinen.“
„Ach, Miß— Sie ſollten nur jetzt einmal ſehen, wie ſchön, wie herrlich es bei uns iſt!“ rief Lively, dem der Gedanke an ſeinen Wald friſchen Muth gab— wenn er es auch nicht wagte, dem jungen Mädchen zu ſagen, wen er vorhin mit den Blumen gemeint. Es iſt ja nirgends herrlicher in der Welt, als im Walde draußen, und ein Morgen, ein Sonnenaufgang unter den friſchen, thauigen Bläͤttern wiegt ein ganzes Jahr aus dem haͤßlichen Trei⸗ ben der Städte auf. Die wilden Thiere und Vögel wiſſen das auch recht gut.— Dorthin, wo es am heimlichſten, am ungeſtörte⸗ ſten iſt, dahin flüchten ſie ſich, und wo kein menſchliches Auge ſie erreichen kann, da ſpielt die Hirſchkuh mit dem Kalbe und die mun⸗ teren Sänger ſchlagen die herrlichſten Triller dazu und ſingen ſo


