Teil eines Werkes 
1. Bd. (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

57

zu ſanft, Du biſt zu ſchwach für ſolch wildes Leben und Treiben — Du paßt nicht hierher in dieſe rohe Umgebung— der liebe Mann.— Und es iſt wahr, ich habe es ihm auch noch auf dem Sterbebette verſprochen, ich wollte fort.— Breidelford, ſagte ich ihm, ſtirb ruhig— ich gehe nördlich, wenn Du einmal nicht mehr bei mir biſt— aber, Du lieber Gott, eine arme, alleinſtehende Frau, die kann ja nicht, wie ſie wol gern wollte. Man will ja doch leben, und hier, wo ich einmal nothdürftig meine Nahrung habe, werde ich wol bleiben müſſen, denn ich ſehe nicht ein, ob, wie und mit was ich an einem andern Orte wieder beginnen könnte. Fleißig bin ich, das muß mir der Neid laſſen. Mein lieber ſeliger Mann ſagte immer, Louiſe, ſagte er, Du arbeiteſt Dich noch todt— Du bedenkſt gar nicht, daß Du zum zarten Ge⸗ ſchlecht gehörſt. Später wirſt Du es aber noch einmal einſehn— ſagte er, wenn Du Deine Geſundheit ruinirt haſt und wenn ich nicht mehr bin. Sie glauben gar nicht, Mrs. Dayton, wie der Mann Alles vorausgeſehn und geſagt hat— eine wahre Prophetengabe war es, es könnte Einem jetzt beinahe noch die Haut ſchaudern, wenn man bedenkt, daß ſo Etwas Menſchen möglich iſt.— Auch was mein Alleinwohnen anbetrifft, denken Sie ſich nur, Mrs. Dayton, auch darüber hat er mir, noch eine Stunde vor ſeinem Tode— ich ſehe das liebe Herz noch, mit ſeinem bleichen einge⸗ fallenen Antlitz und den blauen Lippen vor mir liegen— Vieles geſagt und mich gewarnt, denn Louiſe, ſagte er“—

„Ich hoffe doch, daß jetzt Jemand bei Ihnen zu Hauſe iſt?“ fiel hier Mr. Smart ſchnell, und, wie es ſchien, mit beſonderer Theilnahme in die Rede..

„Bei mir?“ rief, von dem Ton und der Frage erſchreckt, Mrs. Breidelford, während ſie ſchnell von ihrem Sitz emporfuhr—„bei mir, Mr. Smart? keine Seele iſt zu Hauſe, denn den Deutſchen, den ich bis jetzt für die grobe Arbeit bei mir hatte, mußte ich heute fortjagen, weil er einen Ton gegen mich— aber um Gotteswillen,