4
1 4
„Wenn Jemand des Andern Schuldner iſt, meine Hedwig, ſo bin wahrlich ich es, da ich Dir ein Glück verdanke, das ich in früheren Jahren kaum für möglich hielt.— Aber ſieh— der kleine Burſch iſt erwacht. Wie freundlich er nach Dir herüber ſchaut.“
Die Mutter drehte ſich raſch nach dem Kinde um und wie von einem plötzlichen Gedanken er⸗ griffen nahm ſie es von dem Arm der Wärterin, küßte es, und kauerte mit ihm am Grabe nieder. Der Kleine aber langte hinüber nach den bunten Blumen und einen Reſedazweig erfaſſend, der ihm zwiſchen die Fingerchen kam, ſchloß er die kleine Fauſt und pflückte ihn ab.
„Ein Gruß der Mutter,“ rief die junge Frau und ihre Thränen floſſen wieder ſtärker,—„das waren ſtets ihre Lieblingsblumen,“ und feſt und innig drückte ſie das Kind an ihr Herz, und küßte den kleinen Zweig, den er noch in ſeinem Händchen hielt. Dann aber gab ſie den Kleinen dem Mädchen zurück.
„Jetzt komm,“ ſagte ſie unter Thränen lä⸗ chelnd zu dem Gatten,„komm mein Reinhard; jetzt iſt mir wohl, und ich will Dir nicht auch das Herz noch ſchwer machen. Kann ich den lieben Platz doch jetzt auch öfter ſehen.“


