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deutete. Sie ſelber ſetzte ſich zugleich auf den Rand des Bettes, in dem die Kleine mit ihr ſchlief, und bog ſich über das ſchlummernde Kind. Erſt als ſie ihr Auge nicht mehr auf ihn geheftet hielt, vermochte der Mann ſich zu bewegen. Er ſchritt langſam zum Tiſche, rückte ſich den Stuhl zurecht und verzehrte mit anſcheinendem Heißhun⸗ ger die für ihn hingeſetzten Lebensmittel bis aufs⸗ die letzte kleinſte Krume Brod. Kein Wort wurde dabei geſprochen; kein Laut unterbrach die Stille, als das Klappern des Meſſers und der Gabel, und das ruhige Athmen des eingeſchlafenen Kindes.
Endlich hatte Hohburg ſein Mahl beendet, ſchob Teller und Serviette zurück, und lehnte den Kopf wieder in die hohle Hand. Die Frau ſtand, als ſie das Geräuſch hörte, auf, und räumte den Tiſch ab.— Noch immer war kein Wort weiter zwiſchen den beiden Gatten gewechſelt worden.
Da endlich trat Louiſe zu dem Tiſche, auf den ſie beide Arme ſtützte, denn ſie fühlte, wie ihr die Kniee zitterten, und ſagte mit leiſer Stimme, der das Wort faſt nur wie ein Hauch
entfloh:
„Und ſo biſt Du zurückgekehrt?— ſo hat Gott mein Gebet erhört, daß er Dich— als Bettler mir vor die eigene Hütte ſandte? Eduard,
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