Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
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Gute Nacht, mein Lieschen gute Nacht, mein Kind ſchlaf' wohl und ſanft, und Gott ſegne und ſchütze Dein liebes Haupt!

Ja, Papa ſchlaf' recht wohl die Mut⸗ ter wird ſchon ein Bett für Dich machen.

Seine zitternden Hände ließen die Kleine los,

die zur Mutter zurücklief, von ihr, wie alle Abende

zu Bett gebracht zu werden. Ueber das Lager hinüber bog ſich dann die Frau, betete mit der Kleinen, und küßte ihr die müden Augenlider zu und ſaß und wachte bei ihr, bis der Schlaf ſie in die Arme nahm. Dann ſtand ſie leiſe auf, putzte das Licht, das auf dem Tiſche ſtand und trübe, mit herunterhängendem Docht flammte und brannte, und deckte auf's Neue den 4. Tiſch. Die weiße Serviette legte ſie auf, ſo⸗ wie ihr Meſſer und ihre Gabel; das Brod trug ſie dann herbei, füllte den Blechbecher mit Milch, und nahm aus dem Koffer einen zinnernen Teller mit kaltem Fleiſch ihr Mittagsmahl für den morgenden Sonntag.*

Als der Tiſch gedeckt war, ſah ſie nach dem Gatten hinüber, der ſich langſam am Fenſter auf⸗ gerichtet hatte, und jeder ihrer Bewegungen mit den Augen folgte.

Komm und, Eduard, ſagte ſie jetzt mit leisk. heiſerer Stimme, indem ſie nach dem Tiſche