Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
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Papa!

Der Mann fuhr empor, als ob das leiſe Wort ein Dolchſtich geweſen wäre, der Hut war ihm vom Kopfe gefallen, und mit beiden Händen ſtrich er ſich jetzt die feuchten wirren Haare aus der Stirn.

Mein Kind, ſagte er,mein liebes, liebes Kind! 3

Die Mutter hat geſagt, ich ſoll zu Bette gehen, flüſterte jetzt die Kleinegute Nacht, Papa ich will für Dich beten, daß Du wieder geſund und froh wirſt, und nicht mehr zu weinen brauchſt, Mama wird Dir auch etwas zu eſſen

geben. Du darfſt nicht hungrig ſein ſonſt weinte Lieschen die ganze lange Nacht.

Mein Kind! ſagte der Mann, und Thränen erſtickten ſeine Stimme. Er nahm des Kindes Hand er wollte es an ſich ziehen, aber er wagte es nicht, und bedeckte die kleinen Händchen mit ſeinen Küſſen. Ruhig ließ es die Kleine ge⸗ ſchehen, dann aber legte ſie die Aermchen um den Hals des Vaters, küßte ſeine Lippen, ſagte noch einmal leiſe:gute Nacht, und blieb ſtill und regungslos in ſeinen Armen, als er ſie an ſich drückte, und feſt, feſt umſchlungen hielt.

Du thuſt mir weh, Vater, bat dasKind.

Gerſtäcker. II. 19