Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
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für den ich zu Gott alle Abende gebetet habe, daß er ihn zu uns zurückführen möge?

Ja, mein Kind! hauchte die Frau nehr. a als ſie die Worte ſprach.

Iſt er krank, Mama? Er ſagte mir vor⸗ hin, er ſei hungrig und habe kein Geld, ſich Brod zu kaufen.

Die Mutter wandte den Kopf zur Seite und holte Athem aus tiefſter, angſtgepreßter Bruſt. Sie wollte antworten, aber ſie konnte es nicht; es ſchnürte ihr die Kehle zuſammen, und keinen Laut brachte ſie über die Lippen.

Und darf ich nicht zu ihm gehn und ihn küſſen, Mama? bat da das Kind, indem es ſein Köpfchen an der Mutter Wange legteEr iſt ſo traurig und ſo krank der arme Papa.

Geh' zu ihm, mein Lieschen, geh' zu ihm, ſagte da die Mutter, die Kleine auf die Erde niederſetzend, und regungslos blieb ſie ſelber dabei ſtehen und folgte nur dem Kinde mit den Augen.

Leiſe und ſchüchtern ſchritt dieſes über den Boden hin dem Vater zu, der in derſelben Stel⸗ lung noch verharrte. Zweimal blieb es ſtehen und ſchaute ſich nach der Mutter um; dann trat es langſam zu dem Vater hin, legte ſein kleines Händchen auf ſeine Schulter, und ftüͤſterte ſcheu und bittend: