Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
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des Mannes unterbrochen wurde. Dieſen aber verließen endlich die Kräfte. Erſchöpfung, Hunger und Aufregung vereinigten ſich bei ihm in ihren Folgen; die Glieder verſagten ihm den Dienſt, der Kopf ſchwindelte ihm, und zu der Wand taumelnd griff er ſich am Fenſter nieder, kauerte dort am Boden, und barg das Antlitz auf ſeinen Knieen.

Da endlich ermannte ſich die Frau zuerſt. Sie ſtand auf und heftete ihren Blick wohl eine Mi⸗ nute lang feſt und ernſt auf die zuſammenge⸗ brochene Geſtalt des Gatten, aber ſie ſprach kein Wort. Auch in dem Ausdrucke ihrer Züge war nicht zu erkennen, was ihre Seele jetzt bewegte nicht Haß, nicht Schmerz, nicht Mitleid, nicht Liebe lag in den thränenfeuchten Augen, auf der weißen Stirn. Dann, wie als ob ein feſter Ent⸗ ſchluß ihre Nerven gegen jeden weitern Schlag geſtählt, wandte ſie ſich nach dem Kinde, ſchritt auf die noch ängſtlich in der Ecke ſtehende Kleine zu, nahm ſie in ihre Arme, küßte ſie und ſagte mit leiſer, aber freundlicher Stimme: 4 Komm mein Kind es iſt ſpät geworden, und Du magſt zu Bett und ſchlafen gehn.

Iſt das der Vater, Mama? flüſterte da die Kleine ihr leiſe und ſchüchtern in das Ohr