Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
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ſelber an dem Tiſche aufrecht halten;mein Weib mein Kind!

Die Frau antwortete nicht wie krampfhaft lag ſie über den Stuhl gebeugt, aber ihr ganzer Körper zitterte wie im Fieberfroſte; vor Schluch⸗ zen konnte ſie kein Wort über die Lippen bringen.

Iſt das der Vater, Mama, der uns Geld bringen wollte, um zur Großmama zurückzugehn? rief die Kleine, die ſich ſchüchtern in die Ecke und an das Bett gedrängt hatte.

Niemand antwortete ihr. Vernichtet, in ſich zuſammengebrochen ſtand Miller oder Hohburg, wie wir ihn jetzt nennen müſſen noch zwiſchen der Thür und dem Tiſche, und blickte mit ſtieren glanzloſen Augen auf das Bild des Jammers und herzzerreißenden Leides nieder, das vor ihm am Boden kniete auf ſein Weib. Thränen hatte er nicht, aber ſein Geſicht war bleich, wie das einer Leiche; die Augen lagen ihm ſtarr und glanzlos in den Höhlen ſeine Lippen zitterten ſeine ganze Geſtalt bebte vor innerer Auf⸗ regung, vor Scham, Reue und Zerknirſchung, und er wagte nicht einmal, die Arme nach dem Kinde auszuſtrecken.

Viele Minuten dauerte dieſe Stille in dem öden Hauſe, die nur durch das leiſe, krampfhafte Schluchzen der Frau und das ſchwere Athmen