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„Und wann wird der Vater wiederfunmen, Mama?“—
„Ich weiß es nicht, mein Lieschen,— wenn er noch lebt, wohl recht bald.“
„Gewiß wird er noch leben,“ rief die Kleine, raſch zur Mutter aufſchauend.„Ich habe ja doch alle Abende für ihn beten müſſen, und Du haſt mir geſagt, daß der liebe Gott das Gebet der Kinder erhöre.“
„Ja, er wird wiederkommen, mein Lieschen,“ rief die Mutter, jetzt nicht mehr im Stande, die vorquellenden Thränen zurückzuhalten—„und wird uns Beide lieb— recht lieb haben. Er iſt ja nur fortgegangen, um Geld für uns zu holen, daß wir wieder zur Großmama kommen können.“
„Und Großmama hat uns recht lieb, nicht wahr, Mama?“
„Ja, ja, mein Kind,“ flüſterte die Frau— „recht, recht lieb. Und dort wird Lieschen dann in eine ſchöne große Schule gehn, mit anderen kleinen Mädchen, und in einem weichen, warmen Bettchen ſchlafen, und warme hübſche Kleider tra⸗ gen, und viel, recht viel lernen.“
„Ach, wie freu' ich mich darauf, Mama— wenn nur der Vater recht bald das Geld brächte. — Und nicht wahr, Mama, dann bekommſt auch Du gute und warme Kleider, und arbeiteſt nicht


