Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
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ſch gehen? frug ſie das Kind, das am Tiſche ſtand und ihr aufmerkſam zuſchaute.

Nein, liebe Mama, ſagte die Kleine,ich will mich noch ein wenig zu Dir ſetzen, und Du erzählſt mir dann wieder etwas von Deutſchland und von Großmama, und von den großen ſchönen Schulen, die dort ſind, und den vielen kleinen Mädchen, die da hineingehn und ſo viele und hübſche Dinge lernen dürfen. Nicht wahr, Mama?

Die Frau ſeufzte recht aus tiefſter Bruſt, ließ ihre Arbeit in den Schoos ſinken, winkte ihr Kind zu ſich heran und küßte, es leiſe an ſich preſſend, deſſen Scheitel.

Aber Du mußt nicht weinen, Mama, ſagte die Kleine bittend, als ſie eine heiße ſchwere Thräne auf ihre Stirn niedertropfen fühlte.Der Vater wird ſchon wiederkommen und Dich recht lieb haben. Er ſchlägt Dich gewiß nicht mehr. Du biſt ja ſo brav und arbeiteſt ſo viel in Einem fort, Tag und Nacht faſt.

Sei ruhig, mein Kind ſei ruhig, bat die Mutter, die Kleine feſter an ſich preſſend;Du brichſt mir, Du brichſt mir das Herz. Komm ich will Dir erzählen. Hol' Dir Dein klei⸗ nes Holzbänkchen vor und ſetze Dich hier neben mich.