— 278—
minder als zur Vorrathskammer diente, nahm ſie ein Brod, ſchnitt davon ab, und verzehrte dann mit der Kleinen das frugale Mahl.
Es war eine ärmliche Heimath, in der die Beiden ſaßen, und doch hatte die ſorgende Frau ſelbſt dieſen Aufenthalt ſo wohnlich einzurichten gewußt als irgend möglich.
In der einen Ecke ſtand ein aus rohen Holz⸗ platten aufgeſchlagenes Bett mit einer harten, voll Seegras geſtopften Matratze und einer wolle⸗ nen Decke; aber der Ueberzug des Bettes war ſchneeweiß, wenn auch an vielen Stellen ſchon ausgebeſſert. Faſt unheimlich ſtach aber gegen dieſes ärmliche Lager ein reich geſticktes, mit Sammet überzogenes, freilich auch ſchon ſtark be⸗ nutztes Rückenkiſſen ab, das jetzt dem Kind zum Kopfpfühl diente, und erinnerte, mit der feinen Damaſtſerviette, die für das Stück Schwarzbrod und den Blechbecher mit Milch auf dem rauhen wackeligen Tiſche ausgebreitet lag, an beſſere— glücklichere Zeiten. Auch vor dem kleinen Fenſter hing etwas, das in den Raun ſonſt nicht paſſen wollte, eine geſtickte Gardine, aber ſie war ſchon ſo oft gewaſchen worden, daß ſie. an vielen Stel⸗ len nur eben noch dürftig zuſammenhielt. Ueber⸗ haupt herrſchte die größte Reinlichkeit in dem kleinen Gemach— der Boden, obgleich nackt und


