Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
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dendes Dunkel das Kind wohl mehr beängſtigte, weil die Mutter gar kein Wort dieſen Abend mit ihm ſprach.

Bin ich traurig, mein Lieschen? entgegnete Frau Hohburg, freundlich den Kopf der Kleinen ſtreichelnd.

Du redeſt gar nicht biſt Du böſe auf mich? frug ſchüchtern die Kleine.

Die Mutter bog ſich nieder und küßte das Kind.

Nein, mein Herzchen, gewiß nicht, Du biſt ſo brav und artig, weshalb ſollte ich da böſe auf Dich ſein!

Dann denkſt Du wohl wieder an den Vater, Mama?

Die Frau antwortete nicht, faßte ihres Kindes Hand und ſchritt raſcher als bisher der kleinen Wohnung zu, deren Thür ſie aufſchloß und den inneren kahlen und traurigen Raum betrat.

Darin angekommen zündete ſie ein auf einem ordinairen Blechleuchter ſteckendes Talglicht an, und nahm dann aus ihrer Taſche eine von Liſchkes mitgebrachte Flaſche Milch, um für ſich und die Tochter das Abendbrod zu bereiten. Das war bald geſchehn; die Milch wurde in zwei Blech⸗ becher ausgegoſſen; aus einem alten Koffer, der in der Ecke ſtand und zum Kleiderſchranke nicht