214 mich nicht weiter— in wenigen Stunden kehre ich zurück, und dann ſollt Ihr Alles erfahren.“
Mit dieſen Worten floh er aus dem Zimmer, und der alte Mann blickte in das Auge ſeiner Gartin, die mit thrä⸗ nenden Wimpern, aber ſchweigend zu ihm aufſchaute. Kein Wort wurde gewechſelt, kein Laut des Schmerzes kam über ihre Lippen. Sie duldeten, während noch jeder Ton des geliebten, ach verlorenen Kindes in ihre Ohren klang, noch jeder Zug des holden, lieblichen Mädchens vor ihren Augen ſchwebte; ſie duldeten, aber ſchwiegen.
Und dennoch, in aller Bitterkeit ihres Schmerzes, tauchte nie auch nur ein leiſer Gedanke an der Tochter Schande in ihnen auf. Sie konnte das Opfer irgend eines unglücklichen Zufalls geworden ſein, konnte ſich in den, ihr fremden Windungen der Straßen verloren haben, ja ſie konnte verunglückt und begraben, fern, fern von Vater und Mutter liegen; aber daß die Stimme der Sünde ſie von ihrer Heimath verlockt habe, daß ihre jungfräuliche Seele entehrt ſein könne, der Gedanke kam nie in ihre Herzen. Gott, in ſeiner Gnade, hielt vielleicht dieſen Tropfen der Pein aus ihrem faſt ſchon überſchäumenden Schmerzens⸗ becher zurück. Es war ſchrecklich genug für ſie zu glauben, daß ihr Kind verloren ſei, wie hätten ſie die Furcht ertragen können, ihr Kind entehrt wiederzufinden.“
Byrnewood floh die Treppe hinauf, in ſein Zimmer; die Morgendämmerung ſtahl ſich durch die ſein Fenſter ver⸗


