212 geworfen, verſuchte er ſich die Erlebniſſe der letzten ſechsund⸗ dreißig Stunden in das Gedächtniß zurückzurufen.
„Dacht' ich ſolchen Augenblick zu erleben!“ rief der Vater, die Hände im tiefſten Schmerz zuſammenfaltend;— „dacht' ich an dieß, als ich Tag und Nacht wirkte und ſchaffte wie ein Galeeerenſclave, um meinen Kindern ein Vermögen zu hinterlaſſen, wenn ich einſt todt und begraben ſei! dacht' ich damals, daß Marie— Marie, für die ich mich ſo lange, lange Jahre gemüht, mir auf ſolche Art ent⸗ riſſen werden ſollte! Und dennoch, dennoch, dieſe Ungewiß⸗ heit iſt ſchrecklicher, als die ſchrecklichſte Wahrheit ſelbſt.“
„Denkſt Du noch des fröhlichen Lachens, als ſie vor zwei Abenden über dieſe Schwelle hüpfte? ‚ich komme mor⸗ gen— morgen zurück!“ rief ſie.“
Die Mutter ſchwieg, und brach in Thränen aus.
Es giebt Sachen, die mit Worten beſchrieben werden können, aber nicht einer Mutter Liebe, nicht einer Mutter Furcht. Was war Mrs. Arlington vor ſechsunddreißig Stunden? Eine blühende Matrone, mit geſundem Antlitz und freundlich und liebevoll ſtrahlenden Augen. Was iſt ſie jetzt? Eine alte, ſchwache Frau, mit eingefallenen Wangen und hohl liegenden Augenhöhlen, ihr Hirn durch tauſend und tauſend ſchmerzhafte Gedanken durchzuckt, ihr Herz durch Gram und Sorge um lange, lange Jahre gealtert, Einer Mutter Liebe ſpricht ihr Gefühl nicht durch Worte aus, aber es liegt im Glanz des Auges, im Lächeln des


