175.
Sie wohl, und vielleicht bringt Ihnen einmal eine ſpätere Zeit die Ueberzeugung, daß der Mann, der es gewagt hatte, ſelbſt Ihren Beſitz zu er⸗ hoffen, deſſen vielleicht nicht würdig geweſen ſei— nie aber ſeiner ſelbſt unwürdig gehandelt haben konnte. Leben Sie wohl— ich ſehe, meine Nähe iſt Ihnen peinlich; ich werde die Rückkunft Sr. Excellenz im Vorſaal erwarten.“
Er verbeugte ſich vor der jungen Gräfin und wollte ſich ſo verabſchieden; da aber hielt ſich Me⸗ lanie nicht länger.
„Graf Geyerſtein!“ rief ſie, die Arme nach ihm ausſtreckend,„Wolf!— können Sie mir ver⸗ zeihen?“
„Melanie!“ hauchte der Graf, in freudigem Schreck zu ihr aufſchauend; die Jungfrau aber, ihrer ſelber nicht mehr mächtig, wankte auf ihn zu, und ihr Haupt an ſeine Bruſt legend, während Wolf in jubelndem Entzücken ſie an ſich preßte, flüſterte ſie:
„Wie tief und unverdient habe ich dieſes edle, treue Herz gekränkt!“
„Charmant!“ rief in dieſem Augenblicke die lachende Stimme des alten Herrn, der gerade in der Thür erſchien.„Da mache ich mir drüben
die bitterſten Vorwürfe, daß ich den Grafen ſo


