Teil eines Werkes 
3. Bd. (1861)
Entstehung
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ſolche Verachtung gegen mich ein, Comteſſe? ſagte der Graf ruhigaber ich habe nicht danach zu fragen, brach er kurz und bitter ab.Daß ich, der Graf Geyerſtein, der Adjutant des Fürſten und Officier, den Kunſtreiter als meinen Bru⸗ der anerkannte, daß ich ihn jenem Leben, in das ihn ſein jugendlicher Leichtſinn geworfen, entzog,, daß ich ihn nach Schildheim brachte, freilich in der vergeblichen Hoffnung, auch ſeine Frau einem geregelten Leben zu gewinnen und heute nun geerntet, wo ich geſäet, heute den Sohn wieder an das Herz der Mutter legen konnte und ſeinem Haupte ihren Segen gerettet habe, das hielt ich für mein Verbrechen Ihnen gegenüber das einzige, deſſen ich mich ſchuldig weiß, und damit werde ich mich jetzt von einem Stande zurückziehen, dem ich, wie ich bis heute glauben mußte, Ih⸗ rer Meinung nach nicht mehr mit Ehren ange⸗ hören konnte. Graf Geyerſtein! rief Melanie, und ihre

ganze Geſtalt zitterte, ihr Auge hing in Schmerz und Angſt an den bleichen, ernſten Zügen des

jungen Mannes. Dieſer aber fuhr ruhig fort: Eine große und ſchwere Laſt wäre von mei⸗ ner Seele genommen, wüßte ich, daß dem nicht

ſo ſei. Doch wie auch immer, Comteſſe, leben