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keine Ahnung gehabt, daß Ihnen überhaupt ein Bruder lebt.“—
Graf Geyerſtein ſah die Sprechende groß und erſtaunt an.„Gnädige Comteſſe,“ ſagte er,„für eine bloße geſellſchaftliche Redensart iſt Ihr Er⸗ ſtaunen zu wahr— wenn aber nicht— was dann noch konnte Sie bewegen, mich ſo zurück⸗ zuweiſen— woher wußten Sie dann von einer — entehrenden Verbindung, in der ich mit jener Kunſtreiter⸗Geſellſchaft geſtanden?“
„Aber was— was hat Ihr Bruder mit den Kunſtreitern zu thun?“ fragte Melanie, durch das ernſte, ſtolze Benehmen des Grafen nur noch ver⸗ wirrter gemacht.
„Entweder Sie ſpotten meiner,“ entgegnete Graf Geyerſtein bewegt,„und kein Augenblick wäre unglücklicher dazu gewählt geweſen, als der jetzige, oder ein eigenes Verhängniß hat uns Beide verwirrt. Antworten Sie mir ehrlich, Comteſſe Melanie— es ſoll die letzte Frage ſein, die ich in dieſem Leben an Sie ſtelle— wußten Sie nicht, daß Georg Bertrand mein Bruder ſei?“
„Georg Bertrand?“ hauchte Melanie, in To⸗
desſchreck die Hände faltend,„ſo wahr ich einſt
ſelig zu werden hoffe— nein.“ „Welch' anderes Geheimniß flößte Ihnen denn


