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Lehren und Wahrheiten werden oft weggeworfen, aber manchmal bleibt doch ein Korn davon hän⸗ gen, und fällt auf guten Boden, wie der Baum auch ſeinen Samen über das dürrſte Land hin⸗ ſtreut.— Irgend ein Körnchen wurzelt doch viel⸗ leicht und treibt dann wieder einen jungen Baum.“
„Wirth, mir noch einen Schnapps,“ ſagte To⸗ bias,„der Waldläufer holt mir zu weit und mo⸗ raliſch aus.“
„Mir auch noch einen!“ rief Mühler, den der Burſche mit ſeinem Ernſt zu amüſiren anfing. Barthold nahm keine Notiz von der Unterbrechung.
„Siehſt Du,“ fuhr er fort,„wenn Du einen einzelnen Baum da draußen ſtehen ſiehſt, ſo denkſt Du wohl— wenn Du überhaupt je etwas däch⸗ teſt— das ſei ein leblos todtes Ding, was da ſteht, und allerdings kann ſich's nicht von der Stelle bewegen; es muß am Boden haften, wo unſer Herrgott es hingepflanzt hat. Aber in ihm lebt's und wirkt und ſchafft und treibt, und wächſt, reckt die Arme nach dem Himmel empor, von dort⸗ her Licht und Leben zu ſaugen, und hält ſich mit den Wurzeln derb im Boden feſt, vom Winde nur gerüttelt, nicht aber geworfen zu werden. Mehr im Leben thut auch nicht einmal der Menſch, nur
auf ein wenig andere, ſogar nicht immer ſo er⸗ Gerſtäcker, Der Kunſtreiter. II. 2


