ſehen, und ſpottete er nicht vielleicht jetzt des Ver⸗ trauens, das er von ihrer Seele losgerungen?
In der Thür ſtand Graf Rottack, ehe ſie ſelber ſeinen Schritt gehört, und das Couvert, deſſen Inhalt ſie noch nicht begriff, hielt er ihr entgegen. Aber er ſelber ſah verändert aus. Der kalte Stolz und Muthwilee, der ſie ſtets zurückgeſchreckt, war aus ſeinen Zügen gewichen, und mit leiſer Stimme ſagte er:
„Hier, Helene, iſt das Papier, welches den Namen Ihrer Mutter enthält— fürchten Sie nicht, daß ich Ihr Geheimniß belauſcht hätte— ich kenne den Inhalt nicht.“
„Wie ſoll ich Ihnen danken?“ flüſterte das Mädchen, beängſtigt von dem ganzen Weſen des Mannes, indem ſie mit zitternder Hand das Blatt nahm.
„Sie können es vielleicht,“ ſagte Rottack ruhig —„erinnern Sie ſich noch des Tages, Helene, als ich Ihnen mit— jener Frau in der Stadt begegnete? Es war das erſte Mal, daß ich Ihre — vermeintliche Mutter ſah.“
„Ja,“ flüſterte Helene, und die Erinnerung an jene Stunde traf ſie eiſig in's Herz—„es konnte mir nicht entgehen. Sie ſtarrten überraſcht auf— jene Frau.“


