291
kaum zehn Minuten ſpäter ging die Thür auf und Frau Gräfin Baulen, einen großen Shawl umgeſchlagen, trat herein und ſagte eigentlich viel freundlicher, als man nach der erzwungenen Audienz hätte vermuthen ſollen:
„Guten Morgen, Meiſter! Was wünſchen Sie?“
„Guten Morgen, Frau Gräfin— Nichts, als die alte Geſchichte, die wir ſchon einige Mal ver⸗ handelt haben; Geld— meine Miethe.“
Die Gräfin warf ungeduldig den Kopf auf die Seite.
„Aber Sie wiſſen ja doch, daß meine Wechſel, die ich jedenfalls mit dem nächſten Dampfer er⸗ warte, noch nicht angekommen ſind— ich habe Ihnen das ſchon das letzte Mal geſagt, als ich das Vergnügen hatte Sie zu ſehen.“
„Bitte,“ ſagte der Mann—„ja, und das vorletzte Mal auch, und das vorvorletzte, aber es iſt ein merkwürdiges Ding um einen Wechſel, der nie ankommt, wenn er am Nothwendigſten gebraucht wird.“
„Und iſt das etwa meine Schuld?“ ſagte die Gräfin piquirt.
„Glaube kaum,“ lächelte der Bäckermeiſter— „nur die Schuld der Leute, die eben keinen ſchicken
wollen.“ 3 19*


