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oft im Negligé geſehen— bin ja ein verheiratheter Mann und kann nicht ſo lang von zu Hauſe fort bleiben. Es giebt jetzt ſchmählich viel zu thun, denn die vielen neuen Mäuler im Ort wollen doch alle ſatt werden und Brod haben.“
„Aber weshalb kommen Sie denn ſo früh— ich kann jetzt nicht.“
„Früh?“ ſagte der ehrliche Bäckermeiſter er⸗ ſtaunt, der ſeit vier Uhr an der Arbeit war— „es hat eben Elf geſchlagen, und bei uns drüben ſagen wir nicht einmal mehr„guten Morgen“ — es wird gleich zu Mittag gegeſſen. Wenn Sie aber wollen, kann ich Ihnen hier gleich durch die Thür melden, was mich hergeführt— ich glaubte nur, es wäre Ihnen angenehmer wenn ich Sie allein ſpräche.“
Es entſtand eine kleine Pauſe und der Bäcker⸗ meiſter lächelte leiſe vor ſich hin— endlich ſagte die Gräfin von innen heraus:
„Ich komme den Augenblick— gehen Sie in das andere Zimmer.“
„Sehr wohl, Frau Gräfin,“ erwiederte der Meiſter kopfnickend, und wußte auch ganz genau, in welches, denn er hatte ſchon ſehr viele der⸗ artige Conferenzen mit der Dame gehabt. Er brauchte indeſſen nicht ſehr lange zu warten, denn


