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Der Löwenjäger / Jules Gerard. Nach dem Franz. von August Diezmann
Entstehung
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136 Die rechte Löwenjagd in Algier.

Viertelſtunde kam ſie auf demſelben Wege zurück und trat unter die Bäume in der Nähe des Lagers. Nun ſetzte ich mich und ſchickte mich an ſie zu empfangen. Ich befand mich mitten in einem Dickicht und ſah von da aus nur einen Theil des Rindes, obgleich es wenig Schritte von mir lag. Daß ich ihr nicht zwei Kugeln werde zuſchicken können, erkannte ich wohl; ich mußte ſie alſo durch die erſte gleich tödten oder wenigſtens unſchädlich machen

Es fing an finſter zu werden, als die Löwin unter mir brü nahe an der Stelle, wo die beiden Rinder den Geiern überlaſſen worden waren. Bald darauf hörte ich ihre Tritte und je näher ſie kam, um ſo deutlicher ein regelmäßiges dumpfes Röcheln, ihr lautes Athmen. Sie mochte funfzehn Schritte von mir ſein und ich legte nach ihr hin an, um ſchießen zu können, ſobald ſie erſcheine.

Sie können ſich denken, wie mir zu Muthe war, als ich das Korn an dem Gewehr nicht fand. Ich ſah kaum das Ende des Rohres. Nach einigen Minuten ſah ich wahrſcheinlich gar nichts mehr und dann erſchien jedenfalls die Löwin. Ich durfte keinen Augenblick zögern, ſtand alſo auf und ging ſo geräuſchlos als möglich der Löwin im Anſchlage entgegen. Nach etwa fünf oder ſechs Schritten erblickte ich die Hälfte ihres Körpers zwiſchen zwei Bäumen. Sie ſtand unbeweglich da und horchte wahrſcheinlich auf ein Geräuſch, das ſie ſich nicht erklären konnte. Der Kopf bis faſt zur Schulter war mir verdeckt. Gerade da lag das Herz. Ich ſchoß ſo gut als möglich, bückte mich aber vergeblich, um un⸗

ter dem Rauche hinzuſehen und die zweite Kugel der erſtern nach⸗

zuſchicken, ich erblickte nichts; ein glückverkündendes Brüllen aber hatte auf meinen Schuß geantwortet und mein geübtes Ohr ſagte mir, daß das Thier verwundet ſei. Die Löwin lag, da ich ſie nicht mehr ſah; ich hörte ſie brüllen und ſich wälzen.

Da ich durchaus keine Luſt hatte mit ihr aus der Welt zu gehen, ſo wollte ich am nächſten Morgen ihr vollends das Leben

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