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Der Löwenjäger / Jules Gerard. Nach dem Franz. von August Diezmann
Entstehung
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134 Die rechte Löwenjagd in Algier.

keine ärztlichen Kenntniſſe und in Bezug auf Wunden von den Löwen weiß ich aus Erfahrung nur ſoviel, daß ſie ſchwer heilen und daß man faſt immer einen Arm oder ein Bein dabei einbüßt. Ich rieth den Verwandten Amars ihn jedenfalls nach Bathna zu bringen, wo er gute Aerzte und gute Pflege finden würde. Der Verwundete lehnte dies der Schmerzen wegen ab und ſo legte ich ſelbſt, mit Hilfe des holländiſchen Officiers, den erſten Verband an, ließ auch einen arabiſchen Arzt holen und begab mich dann in den Wald, wo ſeit dem Abende der Löwe ſchlief.

Meine Begleitung war ſehr zahlreich. Bald hatte man einen Weg in das Dickicht gehauen und auf einer Trage wurde der Todte auf die Lichtung getragen, wo ich ihn zuerſt geſchoſſen. Nachdem ich ihm das Fell hatte abziehen laſſen und aufmerkſam den Durchgang meiner Kugeln gemuſtert, überließ ich das Thier den Arabern, die ſich mit unbeſchreiblicher Wuth, mit dem Meſſer in der Hand, auf daſſelbe ſtürzten. Abends kam ich zurück, um das Fell zuzurichten.

Am 29., als ich mich zur Abreiſe nach Konſtantine anſchickte, drangen fünf bis ſechs Weiber in mein Zelt und vergoſſen heiße Thränen, als ob ſie von einem großen Unglücke betroffen worden wären. Anfangs glaubte ich, ihr Verwandter, Amar, ſei geſtor⸗ ben, und ich konnte mich des Lachens nicht enthalten, als ich end⸗

lich erfuhr, es handele ſich nur um den Tod von drei Rindern,

die ein eben wieder angekommener Löwe geraubt habe. Da das Schhluchzen immer ſtärker wurde und dieſes Weinconcert gar nichts Angenehmes hatte, ſo machte ich ihm raſch durch das Verſprechen ein Ende, ich würde erſt abreiſen, unüden ich auch den neuen Löwen beſeitigt.

Der Duar, aus welchem die Rinder geraußt worden waren,

befand ſich dicht bei meinen Zelten und ich zog Erkundigungen

ein. Die Leute hatten die Heerde ängſtlich llehen⸗ Labern weder