132 Die rechte Löwenjagd in Algier.
Rachen des Löwen, auf den ich meine Büchſe ganz in der Nähe richtete, ohne daß er ſein Opfer losließ. Da ich für den Kopf des Arabers fürchtete, wenn ich nach dem des Löwen ſchöſſe, wählte ich das Herz zum Zielpunkte und gab Feuer.
Amar wurde frei, und rollte zu meinen Füßen, die er ſo ungeſtüm
umklammerte, daß er mich faſt umriß, der Löwe aber lehnte an
den Zweigen, die unter ſeiner Laſt brachen, und fiel noch nicht.
Ich zielte ihm nach den Schläfen und drückte los; der Schuß verſagte. Zum erſten Male ſeit zehn Jahren ging mein Gewehr nicht los und der Löwe ſtand noch immer da, zerbiß und zerriß die Aeſte, die er erreichen konnte, brüllte und wand ſich in Todes⸗ krämpfen einen Schritt von mir und faſt auf Amar, der wie ein Beſeſſener ſchrie. Alle meine Leute waren herbei gekommen und ſchwangen die Säbel oder hatten die Gewehre vorn an dem Laufe gefaßt, um ſie als Keule brauchen zu können. Nutzloſe Waffen einem Feinde gegenüber, den drei Kugeln nicht tödten! Ich griff zunächſt nach meinem Spahi Hamida, um mir das Gewehr geben zu laſſen, das er geladen mir nachtragen ſollte. Er zitterte an allen Gliedern und brachte kaum heraus:„Abgeſchoſſen!“ Mein zweites Gewehr war alſo nicht mehr geladen; der Unvorſichtige hatte gleichzeitig mit den Andern geſchoſſen und wir waren ſomit in der Gewalt des Löwen. Zum Glück für uns Alle fiel er in dieſem Augenblicke zwiſchen Amar und Rodenburg todt nieder.
Sobald der Löwe todt war, beſchäftigte ich mich mit dem Verwundeten, der ebenfalls ſeit einigen Augenblicken kein Lebens⸗ zeichen mehr gab. Die Wunden am Kopfe waren nicht ſehr be⸗ deutend und einige Stellen am Oberkörper leicht von den Klauen zerriſſen, der rechte Schenkel und das rechte Bein aber, von der Hüfte bis zur Zehe, gräßlich zerbiſſen. Er blutete außerordent⸗ lich ſtark und wir befanden uns mitten im Walde, in der Nacht, ohne alle Hilfsmittel.
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