Die rechte Löwenjagd in Algier. 127
zu mir geſchickt, damit er mir melde, der Löwe habe ſein Lager in einem Walde, Tafrent mit Namen, und ihnen ſeit dem 20. acht Rinder geraubt. Ich brach ſofort mit dieſem Manne, mei⸗ nem Spahi und meinen Kundſchaftern auf, ließ meine Zelte zu⸗ rück und nahm nur meine Waffen mit mir. Die Nacht vom 24. zum 25. verbrachte ich vor dem Duar, den der Löwe gewöhnlich heimſuchte, aber er kam nicht. Am 25. früh wußten meine Leute daß er aus dem bezeichneten Walde herausgekommen, aber nicht gewiß, ob er dahin zurückgekehrt ſei. Um die Anſtrengungen mei⸗ ner Kundſchafter zu vermindern und ihnen ihre Aufgabe zu er⸗ leichtern, näherte ich mich dem muthmaßlichen Lager und begab mich am 25. Abends an den Saum des Waldes. An dieſem Tage war Herr v. Rodenburg zu mir gekommen, ein holländi⸗ ſcher Officier, welcher den Zug nach Kabylien mitgemacht hatte und nun an der Löwenjagd Theil nehmen wollte, um etwas zu erleben was ſich nie wieder vergißt.
Gegen zehn Uhr Abends brüllte der Löwe eine halbe Stunde von dem Duar und um Mitternacht raubte er ein Schaf nur ei⸗ nige Schritte von uns. Am 26. früh wurde nach allen Duars der Befehl erlaſſen, kein Vieh und keinen Menſchen hinaus zu laſſen, bis meine Kundſchafter zurück wären, damit die Löwen⸗ fährten nicht zertreten würden.
Endlich kam Amar Ben Sipha mit ſtrahlendem Geſichte; er brauchte gar nichts zu ſagen, Jedermann ſah es ihm an, daß er den Feind gefunden habe und wiſſe, wo er ſei. Wie ſehr wartete der Unglückliche auf den Sieg, den er vorbereitet hatte und wie wenig ahnete er, daß nach wenigen Stunden der Löwe, den er mir überliefert, auf ihm ſterben ſollte, nachdem er ihn zerriſſen!
Er ſtattete mir ſeinen Bericht ab und da wir nun wußten, woo wir den Löwen finden würden, blieb nichts weiter übrig, als
die beſte Angriffsart zu wählen. Die erſte beſteht darin, unter ggroßem Lärm nach dem Lager zu gehen, was den Löwen hervor⸗
*


