Die rechte Löwenjagd in Algier. 119
weniger Zeit als ich zur Schilderung brauche, iſt der Löwe über den ſechs Fuß hohen Zaun geſprungen, welcher den Duar um⸗ giebt. Er hat ſich ein Schaf geholt, iſt zum zweiten Male über den Zaun geſprungen und verſchwunden. Die Hunde be⸗ finden ſich alle, ſtumm vor Entſetzen, unter den Zelten, die Men⸗ ſchen gleichfalls. Iſt der Sturm vorüber, ſo ermittelt man den erfolgten Raub. Das Auge des Europäers würde weder die Zelte, noch die Heerden ſehen, ſo finſter iſt es. Alle haben ſich nun wieder niedergelegt und die Hunde folgen dem Beiſpiele ihrer Herren, mit Ausnahme etwa einiger alten.
In dieſem Augenblicke prüfen unſere Drei das Zündkraut auf der Pfanne ihrer Piſtolen und ſchleichen auf Händen und Füßen ungeſehen und ſchweigend näher. Der Alte, der Führer, bezeich⸗ net das Zelt, ſagt aber zu den beiden Jünglingen nichts als: „Kinder, ſeid Männer!“ Sie gelangen an die Hecke, die den Duar umgiebt. Die Stelle, wo die Heerden aus⸗ und eingelaſſen, werden, iſt mit Dornen verſperrt. Der Alte flüſtert ſeinen Be⸗ gleitern zu:„Rührt Euch nicht von hier, bis Ihr die Hunde an der andern Seite lärmen hört, aber dann beeilt Euch!“ Er dreht ſich um, kriecht rund um den Duar herum und gelangt an die entgegengeſetzte Seite. Hier richtet er ſich ein wenig empor; wenn die Hunde ihn nicht ſehen, ſo geht er einige Schritte weit und huſtet. Das iſt genug. Augenblicklich ſchlägt ein Hund an, alle andern ſtimmen ein und laufen herzu. Um ſie von ſich fern zu halten, braucht er nur auf allen Vieren auf ſie zu zu kriechen; da fürchten ſich die Hunde und wagen ſich nicht heran.
Unterdeß haben die beiden Jünglinge das Thor des Duars vorſichtig geöffnet. Das ihnen bezeichnete Zelt ſteht in der Nähe. Sie ſtecken den Kopf hinein und horchen. Alles iſt ſtill und ſchläft. Dort iſt der Platz der Fraueu und bei denſel⸗ ben jener der Kinder. Der Herr ſelbſt liegt quer vor dem Ein⸗
gang und hat ein Piſtol unter dem Kopfe, einen Yatagan neben


