Die rechte Löwenjagd in Algier. 117
„Darnach ſehne ich mich,“ entgegnet der Knabe,„aber die
Nacht iſt ſehr finſter und ich fürchte mich, wenn ich im Dunkel allein gehe.“
„Du wirſt das erſte Mal nicht allein gehen. Nimm Deine
Waffen, lege den Burnus ab, der zu weiß iſt und ſchnalle das
Hemd mit dem Gürtel feſt.“
Während der Knabe thut was der Vater ſagt, geht dieſer in das Zelt eines Freundes und ſagt:
„Mein Sohn iſt bereit.“
Die Mütter vergießen einige Thränen, denn ſie fürchten ein Mislingen oder ein Unglück, aber man ſagt ihnen, ein vorſichtiger und muthiger Mann werde bei den jungen Leuten ſein. Alles wird auf das Beſte vorbereitet und um zehn Uhr, unter ſtrömen⸗ dem Regen, in einer pechſchwarzen Nacht ſchleichen drei Perſonen in erdfarbenen Hemden, die durch einen Ledergürtel über das Knie aufgenommen ſind, geheimnißvoll aus dem Duar. Jeder der nächt⸗ lichen Wanderer birgt untereinem an tauſend Stellen ausgebeſ⸗ ſerten Burnus, der ſchon drei Generationen diente, ohne jemals gewaſchen worden zu ſein, ein Piſtol und einen Dolch. Die Köpfe ſind mit braunen Mützen bedeckt und die Füße blos. Sie gehen ſchweigend über die Felder und bleiben erſt ſtehen, wenn ſie die Lagerfeuer der Feinde ſehen. Sie bezeichnen einen Duar von zehn bis zwölf Zelten, die im Kreiſe ſtehen und ein⸗ ander berühren. In der Mitte befinden ſich die Heerden. Außen und vor jedem Zelte halten zahlreiche Hunde gute Wache. In dieſem Duar wohnt ein Mann, deſſen Vater oder Großvater ei⸗ nen Verwandten Eines unſerer drei Wanderer tödtete und dem Manne wollen ſie das Leben nehmen. Die Feuer werden allmä⸗
lig ausgelöſcht und Alles ſchläft oder ſcheint zu ſchlafen mit
Ausnahme der Hunde. Der Führer unſerer kleinen Schaar weiß,
daß zu einer gewiſſen Stunde in der Nacht einige Hunde in Folge


