116 Die rechte Löwenjagd in Algier.
ſoweit ihn zu bedrohen. Brüllt dann der Löwe von Neuem, ſo erſtirbt ihnen das Wort im Munde.
In dieſem ehrfurchtsvollen Schweigen der Araber liegt eine große Lehre für Sie und die Andern. Der Araber iſt muthig, wie ich ſchon öfters geſagt habe, wie ſollte er es auch nicht ſein? Er wird ja geboren, lebt und ſtirbt unter Gefahren, welche der civiliſirte Menſch in Europa nicht einmal kennt und nicht kennen kann. In ſeiner Kindheit hört er, ſtatt von Moral, von Morden,
von Krieg und Kämpfen. Der Weiſeſte, Beſte, Angeſehenſte iſt Der, welcher am meiſten und am beſten tödtet. Man lehrt ihn die Familienrache, den Stammeshaß und die Verwünſchung der Chriſten; hat er ſein funfzehntes Jahr erreicht, ſo geſchieht es, daß eines Abends, zur Vollendung ſeiner Erziehung, nachdem die Alten am Heerdfeuer unter dem Zelte von ihrem Haß und ihrer Rache erzählt und die Nachbarn ſich entfernt haben, der Knabe aber ein Plätzchen ſucht, um ſich niederzulegen, der Vater ihn mit dem Fuße ſtößt und einen Feigen und Faulen nennt. Der Knabe, der den Vater nicht verſteht, bittet dieſen, ſich näher zu erklären. Da zeigt ihm der Vater ein altes Piſtol, das neben einem Dolche an einer Zeltſtange hängt. Der Knabe ſpringt zu ſeinem Vater und küßt ihn ehrerbietig auf die Stirn. Der Vater iſt glücklich und ſtolz, einen ſo hoffnungsreichen Sohn zu haben, fordert ihn auf ſich zu ihm zu ſetzen und ſpricht:
„Biſt Du ſchon in der Nacht fortgegangen, ohne daß ich es geſehen habe?“ Der Knabe geſteht dann ſeine Liebſchaft mit ei⸗ nem Mädchen, das er einige Male auf die Gefahr hin beſucht hat, eine Kugel in den Kopf zu bekommen.
„Das iſt etwas,“ antwortet der Vater,„aber nicht genug. Du biſt ſchon groß und ich ſchäme mich, wenn die Nachbarn Dich den Kleinen nennen. Du mußt ihnen zeigen, daß Du ein Mann biſt.“ 1


