Die rechte Löwenjagd in Algier. 111
In Ihrem Verſtecke können Sie von dem herankommenden Thiere erſt dann geſehen werden, wenn Sie es ſchußgerecht vor ſich haben. Und nun achten Sie wohl auf. Die Löwinnen und ſelbſt die jungen Löwen haben Klauen und Zähne, die zerreißen und tödten, machen wir alſo nicht gleich zu Anfange einen dum⸗ men Streich. Die Räuber haben vielfache Gründe, Sie nicht am Leben zu laſſen, alſo ſehen Sie ſich wohl vor. Zeigt ſich Ihnen ein Mann, ſo laſſen Sie ihn den Büchſenlauf ſehen und rufen ihm zu:„Fort! Fort!“ Er weiß, daß Sie nicht auf ihn und ſeines Gleichen lauern und wird alſo wahrſcheinlich Ihrer Auffor⸗ derung Folge leiſten. Jedenfalls werden Sie Ihr Leben nicht leicht hingeben. Erſcheint ein Löwe, ſo erwarten Sie ihn, das Gewehr am Backen, den Finger am Drücker, er wird vor Ihnen auf dem Wege ſtehen bleiben, ſobald er Sie erblickt. Die Stelle vor dem Schulterblatte iſt ein guter Zielpunkt, die Wirkung ei⸗ ner dort eindringenden Kugel aber nicht ganz ſicher. Ein Löwe, den ich an dieſer Stelle mit zwei Eiſenpoſten durch und durch geſchoſſen, zerriß zwei Araber und verſtümmelte meinen Spahi Roſſain. Zielen Sie zwiſchen Auge und Ohr, wenn das Thier Sie von der Seite anſieht, oder zwiſchen die Augen, wenn Sie es gerade vor ſich haben. Drücken Sie los und er wird fallen. Warten Sie dann vorſichtig eine Minute und nähern Sie ſich ihm erſt, wenn er kein Lebenszeichen mehr giebt.
Iſt es eine Hyäne, ſo laſſen Sie dieſelbe laufen.
So haben Sie ſich zu verhalten, wenn Sie ſo glücklich ſind mit einem Feinde zuſammen zu treffen; höchſt wahrſcheinlich iſt es aber, daß Sie in den ſämmtlichen erſten Mondſcheinnächten die Ebene und das Gebirge durchwandern ohne den Löwen zu ſehen. Verlieren Sie den Muth nicht. Ein arabiſches Sprichwort ſagt: Für einen Löwen giebt es hundert Duars, hundert Wege und hundert Furten; aber es hat nicht ganz recht, denn es giebt


