Die rechte Löwenjagd in Algier. 109
Der Löwe hatte unterdeß die Lichtung verlaſſen, um ſich in ein Dickicht in der Nähe zurückzuziehen.
Ich ging ihm vorſichtig und ſchußfertig nach verſuchte aber vergebens ſeine Fährte zu finden, denn der Boden war felſig und das Thier verlor kein Blut mehr.
Ich durchſuchte jeden Buſch einzeln als mein Führer, der in
der Lichtung zurückgeblieben war, zu mir ſagte:
„Der Tod will Dich nicht; Du biſt dicht an dem Löwen vor⸗ übergekommen. Hätten Deine Augen den ſeinigen begegnet, wür⸗ deſt Du geſtorben ſein, ehe Du ſchießen konnteſt.“
Ich befahl ihm mit Steinen in das Dickicht zu werfen. Nach dem erſten Wurfe bog ſich ein Buſch auseinander und der Löwe ſprang nach mir an, nachdem er ſich nach allen Seiten hin umge⸗ ſehen hatte. Er war etwa zehn Schritte von mir mit gerade em⸗ porgehaltenem Schweife und ſtraff vorgeſtrecktem Halſe. Da er das zerſchoſſene Bein auf⸗ und nach hinten hielt, ſah er aus wie ein vorſtehender Jagdhund.
Sobald er erſchienen war, hatte ich mich geſetzt und den Ara⸗ ber hinter mir geborgen, der mich durch ſein Jammern und ſein ununterbrochenes Bitten:„Schieße! Schieße!“ beläſtigte.
Kaum hatte ich das Gewehr angelegt, als ſich der Löwe durch einen kurzen Sprung mir um vier bis fünf Schritte näherte und er wollte einen zweiten Sprung thun als er, einen Zoll über dem
cechten Auge getroffen, zuſammenbrach.
Mein Araber pries Gott ſchon als der Löwe ſich aufſetzte und ſich dann wie ein ſich bäumendes Pferd emporrichtete. Da traf ihn eine zweite glücklichere Kugel in das Herz und ſtreckte ihn endlich völlig todt nieder.
Als ich den Löwen ſpäter genauer betrachtete, überzeugte ich mich, daß die zweite Kugel das Stirnbein getroffen hatte ohne daſſelbe zu zerſchlagen. Sie hatte ſich auf dem Knochen breit ge⸗ drückt, ſo breit wie eine Handfläche und ſo dünn wie ein Papierblatt.


