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Der Löwenjäger / Jules Gerard. Nach dem Franz. von August Diezmann
Entstehung
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108 Die rechte Löwenjagd in Algier. Hoffnung diesmal mich nicht betrogen hatte. Die Araber flohen nach allen Seiten und ſchrien wie beſeſſen. Einige hatten den Bach zwiſchen ſich und den Löwen gelaſſen, wohlweislich, an⸗ dere, die kühner waren, weil ſie zu Pferde ſaßen, blieben beiſam⸗ men, zehn Mann ſtark, und wollten das Thier, welches mit An⸗ ſtrengung das Gebirge zu erreichen ſuchte, vollends tödten, wie ſte ſagten. Der Scheik befand ſich an der Spitze. Ich war gleich⸗ falls bereits über den Bach hinüber und wollte eben vom Pferde ſteigen, als ich die Reiter, den Scheik voran, in geſtrecktem Ga⸗ lopp zurückkommen ſah. Der Löwe, der nur auf drei Beinen gehen konnte, ſprang hinter ihnen und beſſer als ſie über Felſen⸗ ſtücke und Gebüſch und erſchütterte die Luft durch ein Brüllen, welches die Pferde ſo außer ſich brachte, daß die Reiter ſie nicht mehr in ihrer Gewalt hatten. Die Pferde jagten deshalb noch immer weiter, der Löwe aber blieb in ſtolzer, drohender Haltung in einer Lichtung ſtehen. Er ſah gar ſchön aus mit dem aufge⸗ riſſenen Rachen, aus dem er allen Anweſenden Todesdrohungen zuwarf. Er war gar ſchön mit ſeiner ſich ſträubenden ſchwarzen Mähne und dem Schweife, der zornig ſeine Seiten peitſchte! Von mir bis zu ihm mochte eine Entfernung von dreihundert Schritten ſein. Ich ſtieg ab und übergab Einem der vorſichtig ſich fern haltenden Araber mein Pferd. Es kamen mehrere her⸗ bei und um nicht mit Gewalt von ihnen wieder auf das Pferd gehoben und mit fortgeführt zu werden, mußte ich den Burnus, den ſie gefaßt halten, in ihren Händen zurücklaſſen. Einige ver⸗ ſuchten auch dann noch mir zu folgen und von meinem Beginnen abzureden, aber je raſcher ich auf den Löwen zuging, um ſo klei⸗

ner wurde ihre Anzahl. Endlich blieb noch ein einziger, mein

Führer vom vorigen Tage, und er ſagte zu mir:

Ich habe Dich unter meinem Zelte aufgenommen und ich

bin vor Gott und den Menſchen für Dich verantwortlich; ich werde mit Dir ſterben.