106 Die rechte Löwenjagd in Algier.
woran ich ſei. Ich habe deshalb den Dolch niemals für eine rettende Waffe gehalten; ich ſagte mir aber und ich ſage mir es heute noch, wenn eine Kugel, wenn zwei Kugeln den Löwen nicht tödten(was ſehr wahrſcheinlich iſt), wenn er gegen mich anſpringt und ich ſofort ſtürze, verſuche ich ihm mein Gewehr bis an den Kolben in den Rachen zu ſtoßen; haben mich ſeine gewaltigen Klauen nicht gepackt und zerfleiſcht, ſo ſtoße ich ihm den Dolch in ein Auge oder in die Herzgegend, je nachdem ich den Arm brau⸗ chen kann; falle ich dagegen bei dem Anſprunge des Löwen, was das Wahrſcheinlichſte iſt, ſo habe ich ſicherlich beide Hände frei und dann ſucht die Linke das Herz und die Rechte führt den Dolch⸗ ſtoß dahin. Wenn man am nächſten Tage nicht zwei engum⸗ ſchlungene todte Körper findet, ſo liegen ſie wenigſtens nicht weit von einander und der Dolch wird das Uebrige ſagen.
Ich hatte jetzt den Dolch aus der Scheide gezogen und ihn ſo in die Erde geſtoßen, um ihn ſofort mit der Hand faſſen zu können, als die leuchtenden Löwenaugen nach dem Waſſer hinun⸗ terzuſteigen anfingen. Ich nahm ſtill vom Leben und meinen Lieben Abſchied, unter dem Vorſatze allen meinen Muth zuſam⸗ menzuhalten und als ich den Finger an den Gewehrdrücker legte, war ich ruhiger als der Löwe, der in das Waſſer trat. Ich hörte das Plätſchern darin vom raſchen Gehen und dann— nichts mehr. War er ſtehen geblieben? Kam er auf mich zu? Das fragte ich mich, während meine Augen durch den ſchwarzen Schleier zu blicken verſuchten, der Alles um mich her einhüllte, als ich dicht neben mir, zur linken Seite, den Löwen auf weichem Boden gehen hörte.
Er war wirklich durch den Bach hindurchgekommen und ſtieg
langſam an den Uferrand herauf als er in Folge der Bewegung, die ich machte, ſtehen blieb. Er befand ſich vier bis fünf Schritte von mir und konnte mit einem Satze zu mir gelangen. Wenn
man das Ende des Gewehrlaufes nicht ſieht, braucht man nicht


