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Der Löwenjäger / Jules Gerard. Nach dem Franz. von August Diezmann
Entstehung
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Die rechte Löwenjagd in Algier. 105

unter in den Bach ging, mehrere Ellen tief; es ſchien einmal ein Stück vom Ufer da hinabgefallen zu ſein. Zur Linken, ganz nahe, war die Furt.

Mein Plan war bald entworfen: Konnte ich den Löwen in dem Bett des Baches ſehen, ſo wollte ich da auf ihn ſchießen, weil der ſteile Hang mich rettete für den Fall, daß ich ihn nur ſchwer verwundete.

Es mochte neun Uhr ſein, als ſich etwa zweihundert Schritte jenſeit des Baches das Brüllen hören ließ. Ich ſpannte den Hahn und wartete, den Ellnbogen auf die Knie geſtützt, das Gewehr am Backen und die Augen auf das Waſſer gerichtet. Die Zeit begann ſchon mir lang zu werden als ich am entgegengeſetz⸗ ten Ufer mir gerade gegenüber einen langgedehnten tief aus der Bruſt kommenden Seufzer vernahm, der wie das Röcheln eines ſterbenden Menſchen klang. Ich blickte in der Richtung hin, von welcher jener ſeltſame Laut herkam und ſah die Augen des Löwen, wie zwei glühende Kohlen, auf mich gerichtet. Das Stieren die⸗ ſes Blickes, der im Dunkel leuchtete und doch nichts umher er⸗ hellte, nicht einmal den Kopf, von dem er ausging, trieb mir alles Blut aus den Adern nach dem Herzen zurück. Eine Minute

vorher hatte ich vor Froſt gezittert, jetzt ſtand der Schweiß in

großen Tropfen mir auf der Stirn. Wer keinen ausgewachſenen Löwen in der Freiheit, todt oder lebendig, geſehen hat, kann einen Kampf mit dieſem Rieſenthier gar nicht für möglich halten, und wer einen geſehen hat, weiß recht gut, daß ein Menſch im Kampfe mit dem Löwen wie eine Maus in den Krallen der Katze iſt.

Ich hatte bereits, wie geſagt, zwei Löwen erlegt und der kleinſte derſelben wog fünfhundert Pfund. Er hatte mit einem Tatzenſchlage ein galoppirendes Pferd aufgehalten und Pferd und Reiter waren auf dem Platze geblieben. Ich kannte ſeitdem die

außerordentliche Kraft des Löwen vollkommen, um zu wiſſen