101
„Wenn Du aber in der Nacht, im Gebirge, auf einen Mann oder auf mehrere Männer triffſt, wirſt Du auf ſie ſchießen?“ Darauf antworten Sie recht laut, ſodaß Alle es hören müſſen: „Was kümmert es mich, daß die Männer in der Nacht durch den Wald gehen? Ich denke nicht an ihre Angelegenheiten und dabe es nur mit den Löwen zu thun. Sobald ich ſie ſehe oder höre, werde ich ihnen zurufen: Geht Eueres Weges, und wenn ſie keine böſen Abſichten haben, werde ich ihnen nichts zu Leide thun.“
Damit hat das Geſpräch ein Ende zu nehmen und müßten Sie einen Monat lang in dem Duar bleiben. Wenn Sie ſich am andern Tage im Schießen üben und Ihre zwei Kugeln auf einen Punkt bringen, ſo können Sie ſich darauf verlaſſen, daß, ehe acht Tage vergehen, zwanzig Stunden in der Runde Alle wiſſen, es ſei ein Chriſt da, welcher den Löwen jage. Man wird Ihr Alter, Ihre Größe, Ihr Ausſehen beſchreiben.„Er ſpricht wenig,“ wird man ſagen,„und ſieht muthig aus; er ſchießt gut 4 und ſagt zu den Räubern nichts.“
Die letzten Worte haben für Sie eine unermeßliche Bedeu⸗ tung; ſie ſind die Frage über Leben und Tod.
Sie haben indeß bis jetzt erſt bewieſen, daß Sie ein guter Schütz ſind, noch nicht daß Sie einen Löwen erlegen werden. Nun kommt die Zeit zum Handeln. Schicken Sie in die benach⸗ barten Duars, ob man den Löwen geſehen oder gehört oder ob er Vieh weggeſchleppt hat.
Da Sie die Gegend noch nicht kennen und einen zuverläſſigen Führer haben müſſen und da ſich für Wanderungen in der Nacht und im Walde nur Diebe von Profeſſion eignen, ſo müſſen Sie mit einem Diebe in Verbindung treten. Wollten Sie aber nach einem Diebe in dem Duar fragen, ſo würde man Ihnen in das Geſicht lachen und antworten, es gebe hier nur ehrliche Leute. Fragen Sie alſo nach einem Manne, der an Nachtwanderungen gewöhnt iſt oder vor der Nacht ſich nicht fürchtet; Sie werden
Die rechte Löwenjagd in Algier.


