Die rechte Löwenjagd in Algier. 97
ſtieg dann zu Pferde und trug ſo ſtolz ſeine„liebe Familie“ in ſein Zelt zurück. Obgleich er für einen guten Vater und Gatten galt, liebte er doch ſeine Falken mehr als ſeine Frauen und Kin⸗ der und ehe er ſtarb richtete er ſeine letzten Liebkoſungen an die
Jagdvögel. Nach ſeinem Tode gab der älteſte Sohn, dem letzten Willen des Vaters zufolge, allen Falken die Freiheit.
Manche arabiſche Häuptlinge in Algier hatten Falken, ohne jemals ſich derſelben zu bedienen. Sie ſind ein nothwendiges Zubehör des Luxus, welches von Reichthum und Adel zeugt und auf das gemeine Volk großen Eindruck macht.
Unterninmt der Häuptling eine Reiſe, ſo läßt er ſich ſeine Falken von gutberittenen, reichgekleideten und koſtbar bewaffne⸗ ten Leuten vor⸗ oder nachtragen. Begegnen Eingeborene einem ſolchen Zuge, ſo ſteigen ſie von ihrem Pferde ab und küſſen das Knie des reichen Häuptlings, auch wenn ſie ihn nicht kennen. Es iſt dies eine Huldigung, welche der Schwache dem Starken, der Arme dem Reichen, der gemeine Mann dem Adeligen darbringt.
Neuntes Kapitel.
Die rechte Löwenjagd in Algier.
Iſt ein Jagdfreund es überdrüſſig, immer nur Haſen, Hüh⸗ ner, Rehe und höchſtens Wildſchweine zu ſchießen, möchte er ein⸗ mal das edelſte Thier jagen, einen Löwen erlegen, ſo komme er zu mir nach Algier, ich will ihm mein Geheimniß mittheilen. Aber er prüfe ſich vorher wohl; er muß jung und kräftig ſein, gut laufen und gut ſehen können, Sinn für Schönheit und einen eiſernen Willen haben. Ferner muß er ein vorzügliches Gewehr,
eine Doppelflinte beſitzen, die dauerhaft iſt, genau und ſcharf Der Löwenjäger. 7.


