96 Die Falknerei in Algier.
erſt dann ſteigen, wenn der erſte ſich eine beſondere Beute aus⸗ geſucht hat und die Jagd erhält nun großes Intereſſe. Alle Rei⸗ ter, die ſich bis dahin vereinzelt in der Ebene befanden, kommen in geſtrecktem Galopp herbei und ſammeln ſich um ihr Oberhaupt. Der Kampf währt gewöhnlich ſehr lange und der gejagte Vogel fällt erſt, wenn die Falken ſich über ihn erheben und ihm einen Flügel brechen oder ein Auge aushacken konnten. Dann ſtürzen Trappe und Falke zuſammen in den Kreis der Reiter herunter und die Falken ſchlagen dabei oft ſo heftig auf, daß ſie todt lie⸗ gen bleiben.
Bisweilen ſteigt der gejagte Vogel nicht vertical in die Höhe, ſondern verſucht ſich durch raſchen kräftigen Flug in gerader Li⸗ nie zu retten. Dann müſſen ihm Falken und Reiter folgen. Meiſt gelingt es einem Falken, an ihn zu kommen und ihn dadurch herabzubringen, daß er ihm einen Flügel lähmt; bisweilen aber geht das Rennen mehrere Stunden lang fort, der Herr giebt das Signal zum Umkehren und überläßt den Falknern die Sorge der Jagd zu folgen, um die Falken nicht zu verlieren.
Ich habe von einem Falle gehört, welcher beweiſt, wie groß die Kraft und Flugſchnelligkeit der Trappen und Falken ſind.
Im vergangenen Winter hatten Araber eine Trappe und einen Falken aufgehoben, die vor ihnen gefallen waren und tru⸗ gen beide zu ihrem Scheik. Dieſer zog Erkundigungen ein und erfuhr, daß der Falke einem Scheik im Süden gehöre, funfzig Stunden weit in gerader Linie und daß die Trappe dort um Mittag aufgetrieben worden war, während ſie um vier Uhr in ſo großer Entfernung niederfiel.
Im Anfange des Kapitels habe ich von dem leidenſchaftlich⸗ ſten Falkenjäger geſprochen, den ich kenne, von Malruk. Er iſt vor zwei Jahren geſtorben und jagte nur Trappen. Hatten ſich ſeine Falken bei der Jagd brav benommen, ſo küßte er alle, nannte ſie bei ihren Namen, ſetzte ſie ſich auf Achſel und Kopf,


