38 Die Löwenjagd bei den Arabern.
ſich hält. Der zertheilte Löwe wird an Stangen in der Mitte des Zuges getragen.
An der Stelle wo die Jäger ſich zu trennen haben, um in ihre verſchiedenen Duars zurückzukehren, werden ſie unter Freu⸗ dengeſchrei und lautem Weinen von einer Menge Männer, Frauen und Kinder empfangen, die ihnen von allen Seiten her entgegen geeilt ſind. Die Männer miſchen ſich unter die Jäger, um ſich die Vorgänge bei der Jagd erzählen zu laſſen; die Frauen freuen ſich oder weinen, je nachdem ihre Lieben geſund und wohl oder verwundet oder gar todt ſind; die Kinder endlich drängen ſich neugierig, wenn auch mit Grauen, um Den, welcher mit der Lö⸗ wenhaut bedeckt, auf allen Vieren gehend und brüllend um⸗ herläuft.
So jagen oder jagten vielmehr die Uled Melul und die Uled⸗Ceſſi.
Vor der Eroberung von Algier, d. h. in der Zeit als das jetzt franzöſiſche Afrika im Beſitz der Türken war, gaben die Beys von Konſtantine jenen beiden Volksſtämmen Freiheit von allen Abgaben, die auf den andern Stämmen laſteten, ja ſie bezahlten mit bedeutenden Summen die Felle der Löwen, die getödtet wor⸗ den waren. Dieſe Löwenfelle wurden dann an den Paſcha von Algier und von dieſem als Geſchenk an den Großſultan geſendet.
Seit die Franzoſen das Land in Beſitz genommen haben, legten die genannten beiden Stämme vergebens ihre Urkunden vor, die ihnen Abgabenfreiheit zuſtcherten; ſie wurden ganz ſo wie die andern Völkerſchaften behandelt. Ueberdies zahlte die Behörde in Algier für ein Löwenfell nur die vom Staate ausge⸗ ſetzte geringfügige Prämie von funfzig Francs.
Die Jägerſtämme fühlten ſich dadurch verletzt, daß man ſie wie Fellhändler behandelte und gaben die Löwenjagd auf. Nur ſehr ſelten, wenn ſie perſönlich durch die Nähe eines Löwen viel zu leiden haben, entſchließen ſie ſich ihn anzugreifen. Mehrmals


