30 Die Löwenjagd bei den Arabern.
Mann mich gehen ſähe, würde er mich für feig halten und er ſoll wiſſen, daß ich ein Sohn der Ceſſi bin.“
Der Vater ſah nun wohl, daß der Entſchluß ſeines Sohnes unerſchütterlich feſtſtehe und er verſuchte alſo große Mittel. „Schon lange,“ begann er,„wünſcheſt Du, ich möchte Dir eine Stute kaufen; morgen ſollſt Du ſie haben.“
„Was nützt mir das Pferd,“ antwortete der Knabe ſtolz, „wenn man mich reiten ſähe und ſagte: Schade, daß ein ſo fei⸗ ger Reiter auf ſo ſchönem Pferde ſitzt!“
„Nun,“ fuhr der Vater fort,„ſo gebe ich Dir nicht blos das Pferd, ich gebe Dir auch das Mädchen, das Dir gefällt, zur Frau.“
Dieſes Verſprechen erſchütterte einen Augenblick den Vorſatz des Jünglings, aber bald antwortete er ernſt und ſtolz:„Vater, Du weißt, daß in unſerm Vaterlande, beſonders in unſerm Stamm, die Frauen Den verachten, welcher ein Mann nur nach ſeiner Kleidung iſt. Ich bin aus dem Stamm der Uled⸗Ceſſi und Dein Sohn; die, welche ich liebe und die meine Frau ſein ſoll, muß Den achten, welcher Alles für ſie ſein ſoll, und ſtolz auf ihn ſein. Höre alſo mein letztes Wort, Vater: Wenn Du mir nicht erlaubſt heute bei der Jagd zu ſein, wenn Du mich zwingſt, vor den Augen Aller feig zu erſcheinen, ſo ſchlage ich nicht nur das Pferd und die Frau aus, ich verlaſſe auch Dein Zelt und wandere weit fort, damit die Leute meines Stammes meine Schande nicht ſehen.“
Die Leſer ſind gewiß meiner Meinung, daß es gar ſchön ſei, bei einem noch bartloſen Jüngling ſolchen Muth zu finden, der gar nicht ſelten iſt.
Ich machte dem edlen Wettſtreite dadurch ein Ende, daß ich den Vater über die Folgen der Jagd beruhigte und dem jungen Manne freundliche Worte über ſeinen Muth ſagte. Dann theilte ich der Geſellſchaft meinen Vorſatz mit und forderte den armen
Teufel, der unter den Späßen der Andern ſoviel hatte leiden


