Die Löwenjagd bei den Arabern. 29
ich in meiner Nähe einen Greis und einen Knaben von funfzehn oder ſechzehn Jahren, die an der allgemeinen Heiterkeit nicht Theil nahmen, ſondern lebhaft mit einander ſprachen. An dem erſten Worte, das ich aus ihrem Geſpräche verſtand, errieth ich, daß ſie Vater und Sohn waren.
„Mein Sohn,“ ſagte der Vater,„Du weißt, daß ich keinen Knaben außer Dir habe, daß ich alt werde und vor Kummer ſter⸗ ben würde, wenn Dir ein Unglück begegnete.“
„Bin ich nicht ein Mann?“ fragte der Knabe.
„Ja, Du biſt ein Mann,“ antwortete der Vater lächelnd, „und ich bin ſtolz auf Dich, mein Blut. Aber Dein Bruder war auch ein Mann und doch fand er im vorigen Jahre, hier, in die⸗ ſem Gebirge, ſeinen Tod; ich, ſein Vater, war bei ihm und konnte ihn nicht retten. Der Löwe iſt ſchrecklich, mein Sohn, ſchrecklich wenn er angreift; das Auge des Menſchen wird unſicher vor ſeinem Blicke; ſeine Hand zittert, weil das Herz ihm ſchnell ſchlägt, und die Kugel, wenn ſie auch trotz der Unruhe des Auges und des Herzens trifft, tödtet nicht, denn ein Löwe erträgt mehrere Kugeln.“
„Aber, Vater, wenn ich heute nicht ſchießen ſoll, warum haſt Du mich mitgenommen zur Verſammlung? Es iſt eine Schande für mich, von ihr zurückzugehen.“
„Ich erlaubte Dir mitzugehen, erſtens weil ich nicht wußte, daß wir zwei Löwen ſtatt eines einzigen zu bekämpfen hätten, was das Unternehmen doppelt gefährlich macht, dann aber auch, weil Du ſchon lange wünſchteſt, den Lwenmann, den Fremden zu ſehen, der heute da iſt. Da ſteht er bei Dir; beſieh ihn genau, damit Du ihn Deiner Mutter und den Leuten im Duar beſchrei⸗ ben kannſt, die ihn nicht kennen; haſt Du ihn betrachtet, dann gehen wir.“
Auf die Worte:„dann gehen wir“ entgegnete der Knabe: „Gehe Du, Vater, wenn Du willſt, ich bleibe, denn wenn der


