Druckschrift 
Der Löwenjäger / Jules Gerard. Nach dem Franz. von August Diezmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Die Löwenjagd bei den Arabern.

27 ſichtigen, die ſeinen Schlaf zu ſtören wagten. Nach dem erſten Schuſſe, der in dem Walde knallt, nach dem Pfeifen der erſten Kugel in den Zweigen ſprang er wüthig aus ſeinem Lager her⸗ aus, um die Umgegend zu muſtern. Das Schreien, das Schimpfen, Verhöhnen und Drohen der Araber dringt bis zu ihm, er bleibt ſtehen, um zu horchen und zittert vor Zorn und Ungeduld. Er erinnert ſich, daß eines Tages zu gleicher Stunde ſein Schlaf durch gleiches Geſchrei geſtört wurde, daß er zu ungeduldig her⸗ vorbrach die Kecken zu züchtigen und daß er von einem Hagel von Kugeln empfangen wurde, die ihm im Fleiſche brannten. Wie ſehr man auch drohen und ihn reizen mag, er wird ſich diesmal beherrſchen und auf den günſtigen Augenblick warten. Er geht unruhig um ſein Lager herum und bleibt bald ſtehen, um zu hor⸗ chen, bald richtet er ſich auf den Hinterfüßen an einem Baum⸗ ſtamme auf, den er mit den gewaltigen Vordertatzen umfaßt und mit den Zähnen und Klauen zerreißt als habe er einen lebendi⸗ gen Feind vor ſich.

Das geſchieht in dem Dickicht, während die Jager, in der Ueberzeugung, daß der Löwe nicht herauskommen werde, Rath halten, um zu entſcheiden, ob ſie angreifen oder ſich zurückziehen ſollen. Selten geht man auseinander, ohne daß wenigſtens ein Angriff verſucht worden iſt, wäre es auch nur, um den Spöttereien und Neckereien der Weiber zu entgehen und die Ehre der Jagd⸗ geſellſchaft dadurch zu retten, daß man einen Todten oder einen Verwundeten zurückbringt, was ſtets das Aufgeben des Unter⸗

nehmens rechtfertiget.

Bei ſolchen Berathungen ſind die Männer von reifem Alter ſtets vorſichtig, die Jüngern dagegen ungeduldig und kampf⸗ begierig.

Als die Uled⸗Ceſſi im Monat Februar 1850 mich aufforder⸗ ten, Jagd auf zwei Löwen zu machen, die ſich bei ihnen eingefun⸗ den, kam Etwas vor, das hierher gehört und das ich gern erzähle⸗

„