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Der Löwenjäger / Jules Gerard. Nach dem Franz. von August Diezmann
Entstehung
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Die Löwenjagd bei den Arabern. 25

So iſt, wie man ſieht, die Rolle Desjenigen die gefährlichſte, welcher den Gnadenſtoß zu geben, den letzten Schuß abzufeuern hat, denn wenn der Löwe vollkommen ruhig auf dem Körper des Jägers liegt, kann man ſeinen Zuſtand und ſeine Abſichten un⸗ möglich errathen, ſodaß man vielleicht ungefährdet bis dicht an ihn herankommt, ja ihm das Gewehr ſchon an das Ohr hält und doch, ehe man abdrücken kann, niedergeſchlagen und in Stücke zerriſſen wird.

Die Araber pflegen, wie geſagt, unter ſolchen Umſtänden einen einzigen Jäger vorzuſchicken, weil ſonſt leicht Verwirrung geſchieht und die gegen den Löwen gerichteten Kugeln den Mann unter ihm treffen. Iſt auch der Mann todt, wenn man endlich zu ihm gelangt, ſo macht es doch ſtets einen peinlichen Eindruck, wenn man ſich über⸗ zeugen muß, daß ihn eine Kugel der Freunde traf, ja man wird bisweilen zu glauben verſucht, er hätte gerettet werden können, wenn er von den Kugeln verſchont geblieben wäre. Deshalb der vorſichtige und weiſe Entſchluß, nur einem Jäger dieſen ehren⸗ vollen Auftrag zu geben.„Ehrenvoll“ nenne ich ihn, weil Der⸗ jenige, welcher ihn mit der erforderlichen Ruhe ausführt, mei⸗ ner Meinung nach der größten Heldenthaten fähig iſt.

Das Vorſtehende gilt für den ziemlich ſeltenen Fall, in wel⸗ chem die verſammelten Jäger durch einen der Vorausgeſchickten von der Ankunft des Löwen benachrichtigt worden ſind. Meiſt liegt er in einem Verſteck auf dem Bauche und wird von Keinem geſehen, wenn er ſich bei dem Geräuſche nicht rührt. Dann muß man ihn in ſeiner Feſte angreifen und mit Sturm nehmen, wie die Araber ſich ausdrücken. Wie groß aber auch die Kühnheit dieſer Männer ſein mag, die ſo muthig in den Tod gehen, ſie entſchließen ſich doch immer nur im äußerſten Nothfall und wenn es gar nicht anders geſchehen kann, den Löwen in ſeinem Verſtecke anzugreifen.