Die Löwenjagd bei den Arabern. 23
herein bereit iſt, ſein Leben zu opfern, um das ſeines Nachbars zu retten.
Konnten die Jäger vor dem Angriffe ſich vereinigen und ſich an einen Felſen lehnen, ſo geht der Löwe in majeſtätiſcher Hal⸗ tung an ihnen vorbei, als hoffe er, ſein Erſcheinen ſchon werde Entſetzen in ihren Reihen verbreiten. Geſchieht dies in der That, ſo fällt er muthig die Gegner an, die dann in die Flucht geſchla⸗ gen werden und ſtets Einen oder Einige in ſeinen Klauen laſſen.
Rührt ſich Keiner, bemerkt der Löwe keine Furcht unter den Jäͤgern, ſo geht er unter dumpf grollenden Drohungen zwanzig bis dreißig Schritte vor den auf ihn gerichteten Gewehren hin. Das iſt der entſcheidende Augenblick, denn auf das Commando eines der Alten in der Schaar giebt ein Jeder Feuer und legt dann ſein Gewehr bei Seite, um ſich mit dem Piſtol oder dem Yatagan zu bewaffnen.
Europäiſche Jäger werden ſich wundern, daß dreißig Schüſſe auf zwanzig Schritte gegen ein Thier, das die Seite darbietet, nicht hinreichen ſollen, daſſelbe todt niederzuſtrecken. In ſechs Fällen unter zehn fällt der Löwe wirklich nicht, denn es iſt ſo ſchwer, ihm das Leben zu entreißen, daß er, wie viele Kugeln er auch erhalten haben mag, nicht ſtirbt, ſo lange das Herz oder das Gehirn nicht getroffen iſt.
Fällt er unter dem Kugelregen, ſo ſtürzen, ehe er ſich wieder aufrichten kann, alle Jäger mit Piſtol oder blanker Waffe auf ihn und ſchießen und ſtechen um die Wette nach ihm, müſſen aber auch faſt immer einige Stücke Fleiſch in den Klauen des veren⸗ denden Thieres laſſen. 4
Es iſt höchſt merkwürdig, daß der Löwe am gefährlichſten, je näher er dem Tode iſt. Wenn er im Kampfe, ehe er verwundet wird, Einen der Jäger erreichen kann, ſo begnügt er ſich, ihn, als ein Hinderniß in ſeinem Wege, niederzuwerfen und der Mann kommt oft, bis auf einige unbedeutende Klauenritze, davon, wenn


