Die Löwenjagd bei den Arabern. 19
Da jedoch das Erlegen eines Löwen nur dann etwas Ver⸗ dienſtliches iſt, wenn man ſich dabei den Zähnen und Klauen des Thieres wirklich ausſetzt, und die Uled⸗Melul und die Uled⸗Ceſſi ſich am beſten benehmen, ſo werde ich nur von ihnen ſprechen.
Die Uled⸗Melul zählen ungefähr achtzig Gewehre und halten ſich am Fuße des Sid⸗Regis, ſowie an dem ſüdlichen Abhange des Schepka auf; die Uled⸗Ceſſi dagegen, die etwa eben ſo ſtark ſind, bewohnen im Sommer die Ebene Kerſcha und die Spitzen des Gueriun, eines des höchſten Gebirges im Kreiſe Konſtantine, und nähern ſich im Winter dem Berge Zerazer, der zwei Meilen ſüdlich vom Gueriun liegt.
Auf dem Gueriun findet ſich ſelten ein Löwe, es müßte denn einer einmal da auf ſeinen Wanderungen verweilen, um in der nächſten Nacht über die Ebene zu kommen. Der Zerazer dagegen dient jedes Jahr, wenn der Aures, der Buarif und der Fedſchuſch mit Schnee bedeckt ſind, irgend einem froſtig gewordenen alten Löwen, oder einer Löwin, die ein gutes Winterquartier für ihre Jungen ſucht, oder wohl auch einer ganzen Löwenfamilie zum Aufenthalte. Der Berg iſt wenig bewaldet, an den Seiten und auf dem Gipfel aber mit ungeheuren Felſen bedeckt, zwiſchen wel⸗ chen die Löwen Schutz vor allen Winden finden.
Am Fuße des Berges ſind die Duars der Uled⸗Ceſſi und zahl⸗ reiche Heerden; die Löwen haben alſo die beſte Ausſicht auf reich⸗ lichen Unterhalt.
Hat ein Löwe ſein Daſein durch das Hinwegſchleppen eines Stückes Vieh oder durch ſein Brüllen dargethan, ſo wird die Kunde von einem Duar zum andern verbreitet, aber man thut acht bis zehn Tage lang nichts gegen den Räuber. Erſt wenn er recht empfindlichen Schaden angerichtet hat und es auch nicht gewiß zu ſein ſcheint, ob er weiter wandert, unternimmt man es, ihn zu verjagen.
Solche Zuſammenkünfte der Männer, denen ich mehrmals peiwohnte, haben großes Intereſſe für Jeden, welcher die Sprache 2*


