Die Löwenjagd bei den Arabern. 17
ihm die letzten Kugeln zuſendeten und legt ſich nieder, um zu ſterben.
Lange nachher und wenn man ſich recht überzeugt hat, daß das Thier todt iſt, laſſen ſich einige Männer an Stricken hinun⸗ ter in die Grube und wälzen es in ein feſtes Netz, das den Lö⸗ wen tragen kann, welcher, wenn er vollkommen ausgewachſen iſt, nicht weniger als ſechshundert Pfund wiegt.
An Stricken wird der Todte nebſt den Männern, die ſich zu ihm hinunterließen, heraufgezogen. Das dauert immer eine ziem⸗ lich lange Zeit. Später bekommen alle Mütter ein kleines Stück von dem Herzen des Löwen, das ſie ihren Söhnen zu eſſen geben, damit ſie ſtark und muthig werden. Endlich reißt man ſo viel als möglich von der Mähne aus, um Amuletts davon zu machen, welche dieſelbe Fähigkeit haben. Iſt die Haut abgezogen, und alles Fleiſch vertheilt, ſo begiebt ſich jede Familie in ihr Duar zurück, wo dann am Abend der Vorfall des Tages noch lange der Lieblingsgegenſtand des Geſprächs iſt.
Nach der Grube folgt als Mittel den Löwen zu erlegen: der Anſtand, melbeda genannt, was eigentlich Verſteck heißt.
Es giebt zwei Arten des Anſtandes oder des Auflauerns, nämlich in der Erde und auf einem Baume.
Man gräbt nämlich ein Loch, das drei Fuß tief und neun bis zwolf breit iſt, bedeckt es mit Baumſtämmen und großen Steinen, wirft eine Schicht Erde darauf und bringt an der einen Seite vier oder fünf Schießlöcher, an der entgegengeſetzten aber eine Oeff⸗ nung an, die als Thür dient und die man von innen mit einem Felsſtück verſchließt. 6.
Solche Schießſtände legt man neben einem Wege an, auf dem ein Löwe ſich zu bewegen pflegt.
Da es indeß ſchwer ſein würde, den vorübergehenden Löwen ſicher auf das Korn zu nehmen, ſo werfen die Araber ein friſch ge⸗ tödtetes Wildſchwein auf den Weg vor den Schießlöchern und
Der Löwenjäger. 2


