Die Löwenjagd bei den Arabern. 15
das Vieh in der Nacht nicht hinein falle, pflegt man die Grube ſelbſt mit einer Hecke zu umziehen, das Vieh aber hinter ihr
zu halten.
Der Löwe, welcher immer von der entgegengeſetzten, d. h. von der dem Walde nahen Seite herkommt, hört das Brüllen des Viehes, wittert daſſelbe auch, ſchleicht hinzu und da er nur durch die Grubenhecke von ihm getrennt iſt, ſpringt er und fällt brül⸗ lend vor Zorn in die Grube, wo er, das Sinnbild des Muthes und der Stärke, vor deſſen Stimme Berg und Thal zittert, ver⸗ höhnt und verſtümmelt wird und elendiglich unter Streichen von Weibern und Kindern ſtirbt.
Sobald er in die Grube geſtürzt iſt, ſtehen Alle in dem Duar auf; die Weiber ſtoßen Freudengeſchrei aus; die Männer ſchie⸗ ßen, um die Nachbar⸗Duars von dem glücklichen Fange zu benach⸗ richtigen; die Kinder und die Hunde machen einen Höllenlärm; es iſt eine an Tollheit grenzende Freude, an welcher Jeder gleichen Antheil nimmt, weil Jeder. beſondere Verluſte zu rächen hat.
In welcher Stunde der Nacht der Fang geſchehen ſein mag, Niemand ſchläft mehr. Es werden Feuer angezündet, die Weiber bereiten den Cuscuſſu und man ſchwelgt bis zum Morgen.
Unterdeſſen hat der Löwe, der anfangs einige ungeheure Sprünge machte, um aus der Grube herauszukommen, in ſein Schickſal ſich ergeben. Er hört den Lärm und das Geſchrei; er hat erkannt, daß er verloren iſt und eines ſchmählichen Todes ſterben muß, ohne ſich vertheidigen zu können und er empfängt die Schimpfworte wie die Kugeln ohne Klagelaut, ohne mit den Wimpern zu zucken.
Vor Tagesanbruche noch ſind die benachbarten Araber, durch die Flintenſchüſſe herbeigerufen, in Menge angekommen, um von dem Schauſpiele nichts einzubüßen. Manche bringen ſogar ihre Weiber, ihre Kinder und ihre Hunde mit. Es iſt ja ſo ſüß einen


