12 Der Löwe und ſeine Lebensweiſe.
Auch das Brüllen des Löwen habe ich lange beobachtet. und ich kann nun Folgendes darüber anführen:
Wenn ein Löwe und eine Löwin beiſammen ſind, brüllt ſtets die Löwin zuerſt und in dem Augenblicke, in welchem ſie das La⸗ ger verläßt. Das Brüllen beſteht aus etwa einem Dutzend Tö⸗ nen, die mit Seufzern anfangen, allmälig lauter werden und en⸗ digen wie ſie anfingen. Zwiſchen jedem Tone liegt eine Zeit von einigen Secunden. Der Löwe wechſelt mit der Löwin ab. So brüllen ſte fort von Viertelſtunde zu Viertelſtunde bis ſie zu dem Duar kommen, den ſie überfallen wollen.
Sobald ſie ſatt ſind, fangen ſie wieder an und brüllen ſo bis gegen Morgen. Auch der einzelne Löwe brüllt wenn er ſich er⸗ hebt, kommt aber oft ohne das Brüllen einzuſtellen bis zu dem Duar.
Im Sommer, während der großen Hitze, brüllt der Löwe weniger, manchmal gar nicht; dafür entſchädigt er ſich aber in der Paarungszeit reichlich.
Unter andern albernen Fragen legte mir einſt Jemand auch die vor:„warum brüllt der Löwe?“ Ich antwortete ihm:„mei⸗ ner Meinung nach iſt das Brüllen dem Löwen, was der Geſang dem Vogel iſt. Wenn Ihnen dieſe Antwort nicht genügt, ſo ver⸗ bringen Sie einige Jahre in ſeiner Geſellſchaft, vielleicht finden Sie dann eine beſſere Erklärung.“
Die Araber, deren Sprache reich an Vergleichen iſt, haben für das Löwenbrüllen nur ein Wort und zwar rad(Donner).
Der Löwe lebt dreißig bis vierzig Jahre. Im Durchſchnitt tödtet oder verbraucht er in einem Jahre für funfzehnhundert Thaler Pferde, Maulthiere, Rinder, Kameele und Schafe. Nimmt man nun die mittlere Dauer ſeines Lebens zu fünfund⸗ dreißig Jahren an, ſo koſtet die Araber jeder Löwe 50,000 Thaler.
Die dreißig Löwen, die ſich anfangs 1855 in der Pro⸗ vinz Konſtantine befanden und zu denen ſtets einige aus der Re⸗
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