Druckschrift 
Der Löwenjäger / Jules Gerard. Nach dem Franz. von August Diezmann
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8 Der Löwe und ſeine Lebensweiſe.

Seine Stirn iſt eine Vorderarmlänge(eine Elle) breit, der Kör⸗ per von der Naſenſpitze bis zur Schweifwurzel fünf Ellen lang*), die Schwere ſeines Körpers wechſelt von 550 bis 600 Pfund. Die Araber fürchten dieſen Löwen mehr als die beiden andern und ſie haben Recht.

Statt umherzuſchweifen wie der fahle und der graue Löwe, ſucht der ſchwarze ſich einen guten Aufenthalt und bleibt da bis⸗ weilen dreißig Jahre. Selten geht er in die Ebene hinunter, um die Duars anzugreifen, dagegen lauert er Abends den Rinder⸗ heerden auf, wenn ſie an den Bergen hinunterziehen und tödtet oft vier bis fünf Stück, um das Blut zu ſaufen.

Im Sommer, wenn die Tage lang ſind, verläßt er ſein La⸗ ger mit Sonnenuntergang und begiebt ſich an einen Weg, der über das Gebirge führt, um auf einen Reiter oder Fußgänger zu warten, die ſich verſpätigt haben.

Ich kenne einen Araber, der bei einem ſolchen Zuſammen⸗ treffen vom Pferde ſtieg, dieſem den Sattel und Zaum abnahm, damit forteilte und das Pferd Preis gab, das vor ſeinen Augen erwürgt wurde. So geht es aber nicht immer und Reiter und Fußgänger entkommen ſelten, wenn ſie einem ſchwarzen Löwen begegnen. 5

Der fahle und der graue Löwe unterſcheiden ſich von einan⸗

der nur durch die Farbe der Mähne, ſind etwas größer aber we⸗

niger ſtark. Mit Ausnahme des oben Erwähnten haben ſie glei⸗ chen Charakter und gleiche Lebensweiſe.

Das Leben des Löwen zerfällt in zwei ganz verſchiedene Theile, die ihn gewiſſermaßen zu zwei verſchiedenen Thieren machen, und zu vielen falſchen Angaben über ihn verleitet haben. Dieſe

beiden Theile ſind der Tag und die Nacht. Am Tage pflegt er

*) Die Araber meſſen vom Ellnbogen bis ans Ende der offe⸗ nen Hand.