Der Löwe und ſeine Lebensweiſe. 3
liegende Löwin, während ihr Liebhaber wüthend hin und her lief, als wolle er ſagen:„ſchon gut; er mag nur kommen; er wird ſehen wie ich ihn empfange.“
Nach etwa einer Stunde erſchien ein ſchwarzer Löwe am Ende der Lichtung. Die Löwin erhob ſich ſofort um ihm entgegenzu⸗ gehen, ihr Begleiter errieth dieſe ihre Abſicht, jagte an ihr vor⸗ über und ſtürzte ſich auf den ihn bereits erwartenden ſchwarzen Nebenbuhler.
Sie ſprangen auf einander und ſtürzten gleichzeitig nieder. Der Kampf währte lange und war grauenhaft für den unfreiwil⸗ ligen Zuſchauer. Während die Knochen knackten unter ihren ge⸗ waltigen Zähnen, riſſen ſie einander zugleich mit den Klauen den Leib auf und das Brüllen dabei, bald dumpf bald laut, verrieth ihre Wuth und ihre Schmerzen.
Gleich im Beginne des Kampfes hatte ſich die Löwin auf den Bauch gelegt, um zuzuſehen und ſo lange er dauerte gab ſie durch Wedeln mit dem Schweife zu erkennen, wie ſehr ſich ihre Eitel⸗ keit geſchmeichelt fühlte, daß zwei ſolche Löwen um ihretwillen ſich umbrächten.
Als der Kampf vorüber war, ging ſie langſam und vorſich⸗ tig zu den beiden Todten, um ſie zu beriechen, dann wanderte ſie ſtolz hinweg, ohne die Gefallenen eines Blickes zu würdigen.
So treu ſind ſie Alle und vorzugsweiſe ſcheinen ſie ſich gern einen vollerwachſenen ſtarken Löwen auszuſuchen, der ſie von den zudringlichen jüngern befreit, deren fortwährende erfolgloſe Kämpfe ſie langweilen. Sobald aber ein noch ſtärkerer erſcheint, iſt er ſtets willkommen.
Einnen beſſern Charakter hat Er, der Löwe, der die einmal erwählte Gefährtin nie verläßt und eine Liebe, eine Fürſorge und Aufmerkſamkeit gegen ſie zeigt, die eines beſſern Looſes würdig wären.


